Gerade in einer Zeit, in der kaum eine Woche ohne Meldungen über Gewaltverbrechen an Frauen vergeht, sparen ÖVP und SPÖ beim Frauenhaus Mödling und lehnen eine ausreichende Förderung ab.
Gewalt gegen Frauen, wie wir als Gesellschaft damit umgehen und vor allem was wir dagegen tun können und müssen - diese Themen sind zusehends Teil der öffentlichen Diskussion. Und das ist gut so.
Gewalt an Frauen ist keine Privatsache, sondern ein strukturelles, ein gesellschaftliches Problem, das uns alle angeht.
Hilfe muss leicht erreichbar sein
Frauen, die Gewalt erleben, brauchen Anlaufstellen, die schnell, unkompliziert und möglichst niederschwellig erreichbar sind – für sich selbst und oft auch für ihre Kinder.
Deshalb ist es so wichtig, dass Hilfsangebote bekannt sind. So ist beispielsweise die Frauen-Helpline unter 0800 222 555 rund um die Uhr kostenlos, anonym und vertraulich erreichbar. Bei Bedarf vermittelt sie Betroffene an regionale Frauenschutzeinrichtungen weiter - Frauenhäuser sind ein wesentlicher Teil dieses Sicherheitsnetzes.
Und genau deshalb hat uns die Diskussion und die anschließende Abstimmung in der letzten Gemeinderatssitzung besonders geärgert.
Sind 1.250 Euro zu viel?
Das Frauenhaus Mödling hat heuer um eine Förderung von 0,40 Euro pro Einwohner:in angesucht. Das wären für Biedermannsdorf rund 1.250 Euro.
Zum Vergleich: 2024 hat die Gemeinde das Frauenhaus mit 825 Euro gefördert, 2025 waren es 627,40 Euro beziehungsweise 0,20 Euro pro Einwohner:in.
Heuer wollten ÖVP und SPÖ die beantragte Erhöhung nicht mittragen - beschlossen wurde nur rund die Hälfte.
Es geht also um einen zusätzlichen Betrag von ungefähr 625 Euro.
Als Begründung wurde unter anderem angeführt, dass der Fördertopf der Gemeinde bereits weitgehend ausgeschöpft sei. Unserer Gemeinde wäre es außerdem „…nicht möglich, Kürzungen des Landes in diesem Bereich finanziell abzufangen…“
Was im Klartext wohl heißen soll, dass es sich bei der Fördersumme ohnehin nur um einen sogenannten „Tropfen auf den heißen Stein“ handeln würde…
In Anbetracht der aktuellen Lage - man denke nur an den kürzlich bekannt gewordenen Fall aus Oberösterreich oder die "Cornell Seven" in den U.S.A. - mag das wohl zutreffen.
Und dennoch bedeutet ein angemessener Förderbeitrag mehr, als nur finanzielle Unterstützung. Er ist vielmehr ein Zeichen. Ein Bekenntnis. Eine Anerkennung der gesellschaftlichen Problematik und eine unglaublich wichtige Botschaft: Wir sehen das Problem. Wir wollen helfen. WIR SIND DA.
Ein Fördertopf ist keine Naturkonstante
Natürlich ist auch das Gemeindebudget nicht unbegrenzt. Aber wie hoch einzelne Budgetposten sind, ist eine politische Entscheidung.
Der Fördertopf wird seit Jahren mit 40.000,- budgetiert, obwohl ebenfalls seit Jahren klar ist, dass die Förderansuchen diesen Betrag für gewöhnlich übersteigen.
Wir haben deshalb wiederholt vorgeschlagen, den Betrag zu erhöhen. Denn bei den Ansuchen der vergangenen Jahre handelte es sich größtenteils um gesellschaftlich sinnvolle und unterstützenswerte Projekte und Einrichtungen.
ÖVP und SPÖ haben unseren Vorschlag bisher mit dem Argument abgelehnt, dass der Fördertopf bei Bedarf ohnehin erhöht werden könne.
Sie erkennen die Krux?
Lassen Sie uns noch die Größenordnung veranschaulichen:
Biedermannsdorf ist eine finanzstarke Gemeinde. Das Gemeindebudget bewegt sich lt. Voranschlag 2026 in einer Größenordnung von rund 15,5 Millionen Euro. 2024 gab es einen Überschuss von rund 1,2 Millionen.
Vor diesem Hintergrund ist es für uns schwer nachvollziehbar, ausgerechnet beim Frauenhaus wegen zusätzlicher 625,- Euro zu sparen.
Und deshalb werden wir auch weiterhin dafür eintreten, dass Einrichtungen wie das Frauenhaus Mödling von unserer Gemeinde angemessen unterstützt werden.
Frauen-Helpline gegen Gewalt: 0800 222 555 – kostenlos, anonym, vertraulich und rund um die Uhr erreichbar.







