Donnerstag, 1. Oktober 2026

Gemeindevision ohne Jugend? Die Zukunft Biedermannsdorfs


Die Gemeinde erarbeitet derzeit gemeinsam mit der Bevölkerung eine Gemeindevision für Biedermannsdorf. Äußerst kompetent begleitet werden wir dabei von der NÖ Dorf- und Stadterneuerung und deren beiden Betreuer:innen, Fr. Brandstetter und Hrn. Grill.

Ausgangspunkt war zu Beginn die Frage nach der zukünftigen Nutzung des Rohrhofs. Inzwischen geht es um mehr, nämlich um die gesamte Gemeinde. Und für uns ist eine Frage wesentlich: Wer wird am längsten mit den Entscheidungen leben, die wir mit der Gemeindevision festlegen? Unsere Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen.

Beim bisherigen Prozess sind junge Menschen leider deutlich unterrepräsentiert. Lediglich vier Prozent der Teilnehmenden an der Onlinebefragung waren zwischen 16 und 25 Jahre alt. Auch bei der Veranstaltung am 9. September waren junge Menschen kaum vertreten. Das muss uns auch in der Steuerungsgruppe zu denken geben.

Die NÖ Dorf- und Stadterneuerung empfiehlt deshalb in ihrem Ergebnisbericht ausdrücklich, junge Menschen bei den weiteren Beteiligungsformaten gezielt einzubeziehen.

Vom Rohrhof zur Zukunft Biedermannsdorfs

Ausgangspunkt des gesamten Prozesses war wie gesagt der von der Gemeinde angekaufte Rohrhof. Beim Tag der offenen Tür Ende Mai konnten erste Ideen für seine zukünftige Nutzung eingebracht werden. Danach folgte die große Onlinebefragung zur Entwicklung des gesamten Ortes.

Auch für den Rohrhof selbst gibt es bereits viele Vorstellungen. 54% der Befragten nannten Wohnraum, 48% ärztliche Versorgung und 36% ein Seniorenheim. Dazu kamen viele weitere Ideen, etwa eine Parkanlage, ein Café oder ein Generationenpark.

Gerade der Rohrhof bietet aus unserer Sicht die Chance, unterschiedliche Bedürfnisse miteinander zu verbinden: Wohnen und Begegnung, Grünraum und Aufenthaltsqualität sowie Angebote für mehrere Generationen.

Am 9. September wurden die Ergebnisse der Befragung im voll besetzten Pfarrstadl präsentiert und gemeinsam weiterdiskutiert.

Besonders erfreulich ist für uns, dass viele Teilnehmende offenbar auch die Bedürfnisse der jüngeren Generation mitgedacht haben. Viele der eingebrachten Ideen betreffen ganz unmittelbar ihre Zukunft: leistbares Wohnen, gute Kinderbetreuung und Bildung oder attraktive Treffpunkte.

Das zeigt großes Verantwortungsbewusstsein zwischen den Generationen – dafür ein herzliches Dankeschön. 

Die Jungen selbst müssen zu Wort kommen

So wichtig es ist, dass Erwachsene die nächste Generation mitdenken: Über junge Menschen zu sprechen ist nicht dasselbe, wie mit ihnen zu sprechen.


Ein allgemeiner Aufruf per Flyer oder Gemeindezeitung reicht offenbar nicht und spricht junge Menschen nicht an bzw. motiviert sie nicht, sich aktiv zu beteiligen. Wir müssen versuchen, Jugendliche anders zu erreichen und dort anzusprechen, wo sie tatsächlich unterwegs sind.

Gerade die drei Gemeinderät:innen, die als Jugendgemeinderät:innen auftreten bzw. Jugendthemen vertreten, wären hier besonders gefragt.

Wir haben daher angeregt, junge Biedermannsdorferinnen und Biedermannsdorfer direkt anzusprechen – persönlich, über Vereine und über „ihre“ digitalen Kanäle. Instagram, TikTok oder Snapchat bieten dafür andere Möglichkeiten als eine klassische Gemeindeaussendung.

Zusätzlich wären eine kurze jugendtaugliche Onlinebefragung oder ein eigener unkomplizierter Jugendworkshop denkbar.

Denn Jugendliche kommen vielleicht nicht von selbst zu einem mehrstündigen Workshop. Trotzdem haben sie eine Meinung dazu, was ihnen im Ort fehlt und wie sie ihre Freizeit verbringen wollen. Und sie wissen selbst am besten, welche Treffpunkte oder Angebote sie brauchen. Diese Stimmen müssen wir unbedingt aktiv einholen.

Viele gute Ideen sind schon da

Grundsätzlich freuen wir uns, dass viele Themen, die wir für die Zukunft Biedermannsdorfs besonders wichtig finden, bereits in den bisherigen Rückmeldungen vorkommen.


Leistbares Wohnen, Kinderbetreuung und Bildung haben für viele Menschen hohe Priorität. Ebenso wichtig sind soziale Themen wie Treffpunkte, Sport- und Freizeitmöglichkeiten sowie ein lebendiges Ortszentrum.

Auch Grünräume, Klimaschutz und Nachhaltigkeit spielen eine große Rolle. Bei erneuerbarer Energie sieht auch der Ergebnisbericht noch deutliches Entwicklungspotenzial.

Darauf wollen wir aufbauen.

Für uns gehört zu einer zukunftsfähigen Gemeinde, deutlich mehr erneuerbare Energie zu erzeugen und künftig stärker über Speicherung nachzudenken.

Gleichzeitig müssen wir überlegen, wie ältere Menschen möglichst lange gut und selbstbestimmt in Biedermannsdorf leben können. Dazu braucht es passende Wohnformen, gute Betreuung und ausreichende Pflegeangebote.

Außerdem müssen wir Biedermannsdorf hitzeresilient und klimafit machen. Immer heißere Sommer und häufiger auftretender Starkregen müssen bereits heute bei unseren Planungen berücksichtigt werden.

Hitzeschutz und Beschattung durch Bäume gehören ebenso dazu wie weniger versiegelte Flächen und ein besserer Umgang mit Regenwasser. Konzepte wie das Schwammstadtprinzip können dabei eine wichtige Rolle spielen.

Klimaanpassung darf aber nicht nur bei einzelnen Vorzeigeprojekten stattfinden. Sie muss bei Gebäuden, Straßen und Plätzen selbstverständlich mitgedacht werden. Dasselbe gilt für unsere Grünräume.

Wie geht‘s weiter?

Entscheidend wird für uns aber sein, was nach der Erarbeitung der Gemeindevision passiert.

Sie darf jedenfalls nicht als Broschüre in einer Lade verschwinden. Wenn wir gemeinsam festlegen, wie sich Biedermannsdorf entwickeln soll, müssen diese Ziele später auch tatsächlich berücksichtigt werden. Das gilt bei neuen Projekten ebenso wie in der Raumplanung oder bei Budgetentscheidungen. Auch beim Straßenbau und bei der Gestaltung des öffentlichen Raums muss die Gemeindevision immer wieder auf den Tisch kommen.

Und sie bringt die einmalige Chance, wie von der Dorf- und Stadterneuerung vorgesehen, weitere Prozesse in Gang zu setzen. Eben beispielsweise einen Schwerpunkt auf junge Biedermannsdorferinnen und Biedermannsdorfer.

Dass all das geschieht, darauf werden wir achten.

Die nächsten Möglichkeiten zum Mitreden gibt es bereits:

  • 22. Oktober, 18:30 Uhr, Perlashof – Zukunftswerkstatt „Biedermannsdorf“
  • 21. November, 10–14 Uhr, Feuerwehrhaus – Zukunftswerkstatt „Rohrhof“
Für beide Veranstaltungen anmelden: Tel: 02236/72000 oder gemeinde@biedermannsdorf.at oder online unter: www.biedermannsdorf.at/zukunftswerkstatt

Und unsere besondere Bitte an Eltern, Großeltern und Familien: Sprecht zuhause mit euren Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen über ihre Wünsche für unseren Ort. Fragt sie, was ihnen fehlt und was sie verändern würden.

Ermutigt sie, selbst zu den Workshops zu kommen – oder nehmt zumindest ihre Ideen mit.

Eine Vision für Biedermannsdorf braucht nicht nur Ideen für die Jungen. Sie braucht auch die Ideen der Jungen.


Eure Simone Jagl









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