Einigermaßen überrascht war ich ehrlich gesagt über einen Absatz im Beitrag von Vizebürgermeister Spazierer in der aktuellen Gemeindezeitung. Er schreibt vom Ziel eines „ökologisch nachhaltigen und klimafitten öffentlichen Grünraums“, von neuen Bäumen und Sträuchern und von weiteren Trinkbrunnen.
Immer wieder haben wir in den letzten 10 Jahren angeregt, den Grünraum nachhaltiger zu pflegen und Trinkbrunnen stehen fast ebenso lange auf unserer Forderungsliste. Nur bisher hatte sich Vizebürgermeister Spazierer nie als großer Unterstützer dieser Anliegen hervorgetan. Aber man kann ja klüger werden.
Was ist überhaupt ein nachhaltiger und klimafitter öffentlicher Grünraum? Dazu haben wir einiges zu sagen.
Zunächst einmal
Ein großes Danke an unseren Bauhof!
Dafür ein wirklich herzliches Dankeschön. Die Mitarbeiter:innen des Bauhofs waren diesen Sommer unermüdlich unterwegs und haben bei großer Hitze versucht, unseren Grünraum so gut wie möglich zu versorgen.
Aber eines ist auch klar: Was wann und wie viel gepflanzt wird, ist keine Entscheidung des Bauhofs, sondern etwas, das sich die politischen Verantwortungsträger überlegen müssen.
Pflanzen allein macht noch keinen klimafitten Grünraum
Mitten in einer massiven Hitzeperiode wurden zahlreiche neue Sträucher gesetzt – allein entlang der Laxenburger Straße rund 20 Jungsträucher. Gleichzeitig war der Bauhof mit der Bewässerung des bestehenden Grünraums mehr als ausgelastet. Und teilweise wurden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an den heißesten Tagen zum Baumschneiden abgestellt.
Die Folge: Für das Gießen der zusätzlichen Jungpflanzen fehlten teilweise schlicht die Kapazitäten.
Für die Sträucher in der Laxenburger Straße haben wir in dieser Zeit das Gießen per Gießkanne übernommen. Und ich habe in der heißesten Zeit viele Biedermannsdorferinnen und Biedermannsdorfer getroffen, die ebenfalls einfach öffentliches Grün mitgegossen haben.
Das ist bitte kein Vorwurf an den Bauhof. Im Gegenteil. Wenn Hitze und Trockenheit zunehmen, muss die Gemeinde auch die Grünraumpflege daran anpassen. Dazu gehört, Pflanzzeiten sinnvoll zu wählen – und wenn in Hitzeperioden zusätzlicher Bewässerungsaufwand notwendig ist, muss dafür auch ausreichend Personal und Arbeitsstunden eingeplant werden.
Klimafit heißt nicht, möglichst viele Pflanzen zu setzen. Klimafit heißt, so zu pflanzen und zu pflegen, dass die Pflanzen auch überleben.
Trinkbrunnen: Ja – aber dort, wo sie gebraucht werden
Die Frage ist nur, wo brauchen wir diese Infrastruktur am dringendsten?
Am Badeteich gibt es Trinkwasser bei den beiden Toilettenanlagen und beim Buffet. An vielen anderen öffentlichen Orten Biedermannsdorfs gibt es weit und breit keine Möglichkeit, Wasser nachzufüllen.
Das Thema ist übrigens nicht neu. Bereits 2019 haben wir als wichtigen Teil guter Spiel- und Generationenparks Wasserstellen genannt. Ebenso bei der Neugestaltung des Platzes vor dem Gemeindeamt nach dessen Sanierung.
Unser Vorschlag bleibt daher: Trinkbrunnen auf den Spielplätzen und an stark frequentierten öffentlichen Plätzen zuerst.
Ökologisch heißt auch: weniger tun
Nicht jeder Fleck muss ständig kurz gemäht werden.
Nicht jedes Blatt muss im Herbst aus der letzten Ecke geblasen werden.
Laub unter Sträuchern schützt den Boden, hält Feuchtigkeit und bietet Tieren Lebensraum.
Blühende und stehen gelassene Bereiche helfen Insekten und machen Grünflächen widerstandsfähiger gegen Hitze und Trockenheit.
Genau für eine solche zurückhaltendere Grünraumpflege setzen wir uns seit Jahren ein.
Wenn der Vizebürgermeister den öffentlichen Grünraum tatsächlich ökologischer, nachhaltiger und klimafitter gestalten möchte, kann er uns ja in Zukunft bei diesem Anliegen unterstützen.
Ökologisch nachhaltiger, klimafitter Grünraum entsteht nicht durch möglichst viele Pflanzen allein. Entscheidend ist, was wir pflanzen, wann wir pflanzen – und wie wir anschließend damit umgehen.
Eure Simone Jagl
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