Freitag, 8. Dezember 2017

Das Biedermannsdorfer Raumordnungskonzept


Die "Agenda 2030" der UNO besteht aus 17 Zielen und 169 Zielvorgaben, die eine Transformation unserer Welt bewirken sollen und müssen.

Das Ziel Nummer 11 - nachhaltige Städte und Gemeinden - hat viel mit der Österreichischen Raumordnungskonferenz (ÖROK) zu tun. Die ÖROK ist eine Einrichtung zur Koordination von Fragen der Raum- und Regionalentwicklung in Österreich, die von Bund, Ländern, Gemeinden sowie den Sozial- und Wirtschaftspartnern getragen wird.
Das ÖROK Leistungsgremium fasste 2016 den Beschluss, das Österreichische Raumentwicklungskonzept (ÖREK) für die Umsetzung des SDG 11 zu nutzen.

Hintergrund
In Österreich leben 55 % der Menschen in urbanen Räumen. Dies führt zu Versorgungsengpässen beispielsweise im Gesundheits- und Bildungsbereich, sowie bei Behörden im ländlichen Raum, wo Infrastrukturleistungen deutlich teurer werden. Im urbanen Raum, wie auch im Umkreis großer Städte wiederum wachsen das Verkehrsaufkommen und die Bebauungsdichte. So wird der Wohnraum knapp und damit immer teurer. Die Regierungen der Welt werden aufgefordert, für "angemessenen, sicheren und bezahlbaren Wohnraum" zu sorgen. Selbstverständlich wird auch das Ziel 13, Maßnahmen zum Klimaschutz, beziehungsweise zur Klimaanpassung zu beachten sein.

Auch Biedermannsdorf erstellte ein Raumordnungskonzept. Pläne und Verfügungen lagen von März bis August 2017 im Gemeindeamt öffentlich auf.
Es finden sich darin Ansichten und Vorhaben, die begrüßenswert sind und die es wert sind, der Bevölkerung zur Kenntnis gebracht zu werden. Denn vielleicht kommt einmal die Zeit, in der alle mitwirken müssen, um die Verantwortlichen an diese Versprechen zu erinnern und auf ihrer Einhaltung zu bestehen:

  • Verstärkte Kooperation mit den Nachbargemeinden gem. lokaler Entwicklungsstrategien und regionaler Leitbilder.
  • Erhaltung bzw. Ausbau von Einrichtungen für Kinder, Jugendliche und Pflegebedürftige.
  • Erhaltung und Ausbau von Spielplätzen und Freizeitanlagen.
  • Erhaltung und Förderung von örtlichen Gastronomiebetrieben.
  • Schließung von Baulücken und Nutzung innerörtlicher Baulandreserven.
  • Sicherung und vorausschauende Behandlung von innerörtlichen und ortsumgebenden Grünflächen.
  • Förderung erneuerbarer Energie.
  • Erhaltung und Neuanlage von Grünflächen zur Verbesserung des Kleinklimas im Siedlungsgebiet und in den geplanten Siedlungserweiterungsgebieten.
  • Erhaltung und Förderung innerörtlicher Grünflächen.
  • Sicherstellung der Verfügbarkeit von beabsichtigten neuen Wohnbaulandwidmungen zur Deckung des zu erwartenden Bedarfs, insbesondere durch Vertragswidmung gem. §17 NÖ Raumordnungsgesetz 2014 bei neuen Baulandwidmungen von Flächen, die sich nicht im Besitz der Gemeinde befinden.  
  • Ausbau und Verbesserung des fuß- und radläufigen Ortswegenetzes insbesondere im Hinblick auf die Erreichbarkeit des Öffentlichen Verkehrs.
Das sind längst nicht alle enthaltenen Punkte. Bei Interesse finden Sie die gesamte Verordnung unter folgendem Link:

Folgende Gebiete wurden als potentielle Entwicklungsräume festgelegt. Nur innerhalb dieser ist es in den nächsten 15 bis 20 Jahren möglich, zu bauen. Und auch dann nur nach nochmaligem Gemeinderatsbeschluss. Es müssen sämtliche daraus entstehende Probleme wie Lärm, Verkehrszunahme und Luftqualität gelöst sein.

Entwicklungsflächen für langfristige Siedlungserweiterungen
Obere Krautgärten (ein Teil davon wurde bereits freigegeben).
Nordwestlich des Ortskerns soll ein rund14,8 ha großes Areal als Siedlungserweiterungsgebiet für wohnbauliche Zwecke ausgewiesen werden (E1).
Wir Grünen stellten hier den Änderungsantrag, dieses Gebiet auf die Hälfte, das heißt 7,4 ha zu verringern. Wir begründen dies wie folgt (Auszug aus unserem Antrag):
"Als Konfliktpunkt betrachten die Grünen die Festlegung eines Gebiets von 14,8 ha nordöstlich der oberen Josef-Bauer-Straße als Siedlungsgebiet.
In Anbetracht der immer noch ungebremst stattfindenden Versiegelung wertvollen Ackerbodens und der ohnehin vorgesehenen weiteren großflächigen Betriebsansiedlungen im westlichen Teil Biedermannsdorf erscheint es notwendig, maßvoll mit dieser Ressource umzugehen. 
Andererseits erscheint es ebenso notwendig, es künftigen Generationen zu ermöglichen, in Biedermannsdorf zu bleiben, respektive als Biedermannsdorferinnen und Biedermannsdorfer neu entstehende Arbeitsplätze im künftigen Betriebsgebiet nutzen zu können.
Wir stellen daher den Änderungsantrag, die Entwicklungsfläche nordwestlich der oberen Josef-Bauer-Straße von 14,8 ha auf 7,4 ha zu reduzieren."
Aufgrund der Ablehnung dieses Antrags konnten wir dem Gesamtkonzept nicht zustimmen. Da wir wie erwähnt viel Positives darin fanden, lehnten wir es nicht ab, sondern enthielten uns der Stimme. 

Potentialflächen mit Vorbehalt. An ihren Ortsrändern verfügt Biedermannsdorf über Flächen, die aufgrund ihrer Lage mittel- bis langfristig als mögliche Siedlungserweiterungsflächen für eine Baulandentwicklung in Betracht zu ziehen sind. Allerdings sind diese Flächen aufgrund diverser Einschränkungen vorerst nur bedingt als solche zu betrachten.
Potentialfläche P1: befindet sich am nördlichen Siedlungsrand, unmittelbar östlich der Schönbrunner Allee und nördlich der Bergfeldstraße. Die derzeit als Grünfläche ausgewiesene Fläche beläuft sich auf ein Gesamtausmaß von 1,57 ha, wobei rund 0,85 ha von ausgewiesenen Überflutungsflächen betroffen sind.
Potentialfläche P2a und P2b: befinden sich am östlichen Siedlungsrand nördlich der Ortsstraße. Die beiden Teilflächen werden von der Georg-Humbhandl-Gasse getrennt. Über beide potentielle Erweiterungs-Teilflächen verläuft eine 110 kV-Freileitung der Wiener Netze GmbH.
Potentialfläche P3: Diese verhältnismäßig kleine Fläche (0,18ha) kommt westlich des Zusammenflusses von Mödling- und Mühlbach zu liegen. Durch die bereits vorhandene Infrastruktur könnte eine wirtschaftliche Erschließung erfolgen. Aufgrund der nahegelegenen B 11 wird eine schalltechnische Begutachtung hinsichtlich einer möglichen Wohnbaulandwidmung erforderlich sein.

Mobilisierung von Betriebsbauland-Reserven
Bekanntlich ist die Ansiedlung von Betrieben das Vorhaben jeder Gemeinde wegen des dann zu erwartenden Geldflusses. Biedermannsdorf verfügt in den südwestlichen Gemeindegebieten, unmittelbar östlich der Südautobahn A2 über großflächige Betriebsbauland-Reserven. Die Flächen weisen die Widmung Bauland Betriebsgebiet-Aufschließungszone auf (BB-A5, BB-A6 und BB-A7) und belaufen sich insgesamt auf 47,02 ha.

Karl Wagner

Hier sehen Sie die zugehörigen Pläne (durch anklicken vergrößen), in denen die ausgewiesenen Baulandreserven eingezeichnet sind:

gelb           Siedlungserweiterungsgebiet E1
violett        Potentialflächen mit Vorbehalt


orange: Bauland Betriebsgebiet - Aufschließungszone

Karl Wagner

Montag, 4. Dezember 2017

Ist das Elektroauto die perfekte Lösung?


Die Zukunft der individuellen Mobilität. Oder:
Ist das Elektroauto die perfekte Lösung?

"Ich sehe eine Stadt, in der zu 100 Prozent emissionsfreie Autos lautlos und autonom fahren. Es wird keine Ampeln mehr geben und keine Staus. Shared-Mobility löst die Platznot in den Städten. Die Parkplätze weichen Grünflächen, da die Autos in entfernte Parkhäuser zum Laden fahren. Dies führt zu einer neuen Dimension an Lebensqualität in den Städten“ (Ein leitender Entwicklungsingenieur von Audi).
Wir lieben es, jederzeit mobil und unabhängig zu sein. Das eigene Auto hilft uns dabei und ist darüber hinaus vielfach noch ein Statussymbol. Außerhalb der Großstadt ist ein Auto oft noch zu wenig. Andererseits: Der tägliche Stau auf der A2 und in Wien nervt, die Parkplatznot wird immer ärger, die größer werdenden Autos passen immer weniger in die Tiefgaragen und Diesel sind als Stinker in Verruf geraten, von  Fahrverboten in Städten und von einem starken Preisverfall beim Wiederverkauf bedroht. Und von den (auch versteckten) Kosten des eigenen Autos, die sich unter Berücksichtigung des Wertverlusts meist auf über 500.- Euro pro Monat belaufen, gar nicht zu reden, darum werden sie meist auch verdrängt.

Die Alternativen erscheinen oft nicht rasend verlockend: Dem ÖPNV (öffentlicher Personennahverkehr)  fehlt bei uns eine gute Anbindung an das hochrangige Netz des VOR (Verkehrsverbunds Ostregion) bzw. der Wiener Linien, an den Umsteigstellen gibt es zu wenig und nur teure Parkmöglichkeiten, Fahrrad fahren oder gehen bei jedem Wetter ist nicht immer lustig, Car-Sharing ist erst in schüchternen Anfängen und über Elektroautos liest man mal dies, mal das.

Wie kann eine nachhaltige, ökologisch und ökonomisch optimale Personenmobilität also aussehen?

Man könnte zunächst beim bisherigen Tankstellennetz und den jetzigen Treibstoffen und Verbrennungsmotoren bleiben, die Treibstoffe aber unter Einsatz erneuerbarer Energie synthetisch

Mittwoch, 29. November 2017

Für ein anderes Europa

Buchumschalg "Für ein anderes Europa"
Für ein anderes Europa
(Thomas Piketty, Stéfanie Hennette u.a., CH Beck Verlag)

Europäische Union und Eurozone (das sind jene EU- Mitgliedsstaaten, die den Euro als Zahlungsmittel verwenden) sind zwar miteinander verschränkte, letztlich jedoch getrennte Institutionen. Während die EU ein, allerdings mit beschränkten Rechten ausgestattetes europäisches Parlament kennt, arbeitet die „Regierung“ der Eurozone  außerhalb der Europäischen Verträge und ist weder dem Europäischen Parlament noch den nationalen Parlamenten gegenüber rechenschaftspflichtig.

Das Buch beschreibt die daraus resultierenden demokratischen Defizite, die zu einer immer kritischeren Haltung gegenüber der EU als Ganzes, zu einem Anstieg des Populismus, zu einer Destabilisierung unserer Demokratien und zu einem Auseinanderfallen der Europäischen Union führen können. Es entwirft und begründet (teilweise in Juristendeutsch) einen Vertrag, mit dem ohne Eingriff in bestehende EU- Verträge eine parlamentarische Vertretung der Eurozone geschaffen werden könnte, um Bürger einzubinden, den Interessen der Mehrheit Gehör zu verschaffen und das Auseinanderdriften Europas zu stoppen.

Freitag, 17. November 2017

Klimasplitter - Was sagen wir zum Klimawandel?



Die Autoindustrie sagt, die Autos seien viel reiner geworden.
Die Energiewirtschaft sagt, Erdöl werde noch länger gebraucht.
Die Industrie sagt, man müsse Arbeitsplätze schützen.
Das sagt auch die Politik.
Die Klimaleugner sagen, die Chinesen streuen Gerüchte.
Die Überflieger sagen, Verschwörer jagen Cehmtrails aus den Flugzeugen.
Die SUV-Fahrer sagen, schuld seien die Kreuzfahrtschiffe und Flugzeuge.
Die wiederum sagen, sie kompensieren ihren Dreck mit Emissionszertifikaten.

Und was sagt die Natur dazu?

Im Zweifel für den Angeklagten



Seit ich denken kann, war die Regel "Im Zweifel für den Angeklagten" ein ehernes Gesetz unseres Rechtsstaates. Keine politische Partei, keine Interessensvertretung, keine Organisation welcher Art auch immer, zweifelte diesen Satz an. Ja, wenn eine Anschuldigung in der Zeitung stand, schadete das demjenigen. Die Volksmeinung war immer schon leicht für Vorverurteilungen zu gewinnen. Aber niemals gaben sich Justiz und Politik dafür her. Nicht in letzter Konsequenz. Jede/Jeder hatte das Recht und die Möglichkeit, sich zu rehabilitieren.

Freitag, 3. November 2017

Speed kills

Autowrack
Speed kills, das war einmal ein Slogan jener Partei, die auch jetzt auf Tempo und schnelle Veränderungen setzt. Hoffentlich ist das ernst gemeint.

Wenn wir unseren Kindern und Enkelkindern eine halbwegs gesunde Umwelt weitergeben, ihnen ein Ansteigen von extremen Wetterkapriolen und enorme Wellen von Klimaflüchtlingen  ersparen wollen, wäre es hoch an der Zeit, endlich zu handeln.

"Aussitzen geht nicht mehr“ richtet jetzt auch das österreichische Umweltbundesamt der kommenden Regierung aus. Um das von den EU-Mitgliedsländern festgelegte Treibhausgas-Reduktionsziel von 36 Prozent zu erreichen, fehlt nicht weniger als ein neues Klimaschutzgesetz, ein schärferes Energieeffizienzgesetz und eine Ökostromnovelle, die diesen Namen verdient.

Lesen Sie diesen Artikel im "Standard"

Donnerstag, 2. November 2017

Hilfe für unsere Kinder und Enkelkinder

Am Strand des pazifischen Ozeans stehen BewohnerInnen der Anräinerstaaten.

Auch die Bewohner von Inselstaaten im Pazifik wollen, dass sie, ihre Kinder und Enkel in Zukunft sicher in ihrer Heimat leben können. Sie sind vom klimabedingten Anstieg des Meeresspiegels am unmittelbarsten bedroht. Bei der demnächst in Bonn beginnenden Weltklimakonferenz (COP23) werden sie daher von den Industrieländern endlich wirksame Maßnahmen fordern, um den Ausstoß von Treibhausgasen schnellstmöglich zu reduzieren. Nur dann können die 2015 in Paris beschlossenen Grenzwerte für die Klimaerwärmung noch erreicht werden.

Verleihen Sie dieser Forderung Nachdruck und unterzeichnen Sie diese Petition. Sie helfen damit nicht nur den Bewohnern der Pazifikstaaten, sondern letztlich auch ihren eigenen Kindern und Enkeln, weil damit zukünftige klimabedingte Migrationsströme eingedämmt werden können.

Die Angst vor unkontrollierter Migration war eines der Hauptthemen im Nationalratswahlkampf. Die Auswirkungen eines ungebremsten Klimawandels möglichst schnell zu begrenzen ist eine zwar längerfristige, doch ungleich wirksamere Maßnahme dagegen als das Hochziehen von Mauern oder das Reden von einer Schließung der Mittelmeerroute.