Montag, 30. Dezember 2024

Tempolimit 80 km/h auf der A2 - gut oder nicht - warum diese Diskussion?

Foto von einer Autobahnbrücke aus aufgenommen von einem Teil der A2 Südautobahn auf Höhe Biedermannsdorfs. Auf dem Foto ist es Tag und es sind viele Fahrzeuge zu sehen, die in beiden Richtungen auf der Autobahn fahren. Auf einem Überkopf Verkehrsleitsystem ist die Beschränkung auf 80 km/h zu sehen.

Seit einigen Tagen gilt auf dem Abschnitt der A2 auf Höhe Biedermannsdorf ein Tempolimit von 80 km/h. Wir haben darüber berichtet, gleich nachdem ich die Info vom Verkehrsministerium bekommen habe. Diese Maßnahme hat angeregte Diskussionen auf diversen Social Media Plattformen ausgelöst. Einerseits gab es sehr viel Zuspruch, vor allem von Anrainerinnen und Anrainern. Gleichzeitig gibt es auch Kritik.
Ja, ich finde, dass wir auch kritische Stimmen hören sollten. Gleichzeitig kommt diese Kritik nicht nur, aber großteils von Personen, die gar nicht hier leben. Ich wage zu behaupten, dass der überwiegende Teil der Biedermannsdorferinnen und Biedermannsdorfer die Maßnahme befürworten.

Ich versuche hier, die Kritikpunkte zu beleuchten.

Die Seuchen unserer Zeit.

 

Laut Wikipedia ist eine Seuche eine „gehäuft auftretende Erkrankung zahlreicher Lebewesen an einer bedrohlichen und hochansteckenden Infektionskrankheit.“ Danach leben wir tatsächlich in einer verseuchten Welt.

Das sind die Seuchen unserer Zeit:

  • Der Neoliberalismus, der uns einredet, der Markt als übernatürliches, nicht in Frage zu stellendes Wesen trage automatisch zum Wohl aller bei und sorge für Gerechtigkeit, jeder staatlich gelenkte ökonomische Ausgleich sei hingegen des Teufels.
  • Kommunikationsplattformen, auf denen Irrglaube verbreitet und Wahrheiten verdreht und die von den größten Egoisten (Trump, Musk usw.) zu deren privatem Wohl und Machterhalt betrieben werden.
  • Falsche Propheten in der Politik, die, ebenfalls zum eigenen Vorteil, mit Emotionen an den Hausverstand appellieren, Wissenschaft verleugnen und ihren Gläubigen eine rosige Zukunft ohne eigene Anstrengung versprechen
  • Die Verächtlichmachung von Solidarität, die eigenes Wohl und Befindlichkeit über alles stellt.

Was hilft in einer verseuchten Welt? Überlegtes Vorgehen, strikte Hygiene und die Stärkung der eigenen Abwehrkräfte. Überlegung, wer was behauptet und welcher Eigennutz hinter der aufgestellten Behauptung steckt. Die Prüfung jeder Behauptung auf ihren wahren Kern hinter   emotionalisierenden Hüllen. Das Bemerken des Hinkens hinter jedem Vergleich. Die Erkenntnis, dass vorgefasste Meinungen die Wahrheit vernebeln, also als Vor-Urteile vor einem rationalen Urteil stehen.

In diesem Sinne: Gesundheit und alles Gute im Neuen Jahr!
(Frei nach Armin Thurnher)

Freitag, 27. Dezember 2024

Link-Kisterl KW 52

 

Hier wieder unsere wöchentliche aktuelle Sammlung an Links, die uns in den letzten sieben Tagen untergekommen sind und nicht anderweitig verwurstet wurden. Nicht immer "Grün". Manchmal unterhaltsamer als informativ. Nur selten mit direktem Ortsbezug. Unsere einzige Regel: Maximal zwei Sätze Erklärung/Kontext pro Link. Das muss reichen.

Falls Kritik an oder Anmerkungen zu einem der Links haben, würden wir uns sehr freuen hier im Blog oder auf Social Media darüber zu diskutieren.

Lesen:

  • Die Weltlage ist durchwachsen, doch 2024 ist auch reichlich Gutes passiert. Katharina Kropshofer hat Gedanken zusammengetragen, die Zuversicht bringen.
  • Was im Naturschutz bislang tabu war, scheint heute wie der letzte Ausweg: in die Evolution eingreifen. Sollten wir Pflanzen und Tiere genetisch manipulieren, um sie zu retten? Zum Treibhauspost-Newsletter.
  • Am 6. Dezember 2024 präsentierte Ursula von der Leyen in Montevideo voller Stolz eine neue politische Einigung zum EU-Mercosur-Abkommen. Die bereits früher geäußerte Kritik wurde entweder nicht verstanden, ignoriert oder bewusst nicht eingearbeitet. Zur aktuellen Kritik von Attac. Zu früheren Beiträgen in unserem Blog.
  • Der Wiener Neudorfer Bürgermeister Herbert Janschka über Tempo 80 auf der A2 und wie es so plötzlich kommen konnte.Zum Beitrag in seinem Blog.

 Mitmachen:

  • netzpolitik.org gehört zu den verdientesten und fundiertesten Publikationen über Netzpolitik. Um ihr Spendenziel zu erreichen müssen sie bis 31. Dezember noch 190.000€ einnehmen. Hier können Sie helfen.
  • Am 12.1. findet in Kärnten eine Volksbefragung zu einem Windkraftverbot statt, die von FPÖ und Team Kärnten initiiert wurde. Inhaltlich halten wir ein Nein zu Windkraft für blanken Wahnsinn, und wenn sie Freunde oder Verwandte in Kärnten haben, wäre jetzt der Zeitpunkt, um mit ihnen darüber zu sprechen. Zu weiterführenden Informationen auf den Seiten der Kärntner Grünen. 

Hören:

  • Der "Das Orakel" Podcast mit Meinungsforscher Peter Hajek. Diesmal nicht mit einer konkreten aktuellen Analyse, sondern einem allgemeinen Bildungsauftrag zu Meinungsforschung, wann Umfragen gut sind, was man von ihnen erwarten kann und was nicht.
  • Allen, die sich für Netzpolitik interessieren (oder wissen wollen was das ist), kann dieses englischsprachige Interview mit Meredith Whittaker (Präsidentin der Signal Foundation) nicht laut genug empfohlen werden. Über ihre Zeit bei Google, Prinzipien in einem prinzipienfreien Geschäftsfeld, den Signal Messanger und die EU als Regulator des Internets.

Anschauen:

  • Martin Moder in seinem Format MEGA (Make Europa Gescheit Again) über die HPV Impfung, deren Wirksamkeit und einen gut vernetzten Scharlatan. Und wie immer mit einem wunderschönen Hemd.
  • Die Feiertage können eine besonders schwierige Zeit für Menschen sein die allein, depressiv oder einfach an einem schwierigen Punkt in ihrem Leben sind. Nicht nur für die ein Geschenk: Al Greens Version von R.E.M.s "Everbody hurts"

Montag, 23. Dezember 2024

Keine Trendwende beim Güterverkehr!

Im Jahr 2022 wurden knapp 85 Prozent der Güter auf der Straße transportiert – und nur etwa 15 Prozent über die Schiene. Berücksichtigt man neben der Gütermenge auch die Transportentfernung, liegt der Anteil der Schiene immerhin bei knapp 30 Prozent, da sie vor allem für Transporte über größere Entfernungen genutzt wird. Ziel ist laut Masterplan Güterverkehr des Lebensministeriums aber ein Anteil von 40 Prozent bis 2040.

Die neuesten Zahlen der Statistik Austria zeigen für 2023 keine Trendwende, sondern sogar einen leichten Rückgang des Schienengüterverkehrs in der Güterverkehrsentwicklung.

Der hohe Anteil des Straßengüterverkehrs hat zahlreiche negative Auswirkungen wie Lärmbelastung, Luftverschmutzung, Staukosten und CO2-Emissionen. Er verursacht damit externe Kosten für die Allgemeinheit. So beliefen sich laut Umweltbundesamt die Kosten für CO2-Emissionen des Straßengüterverkehrs auf Autobahnen und Bundesstraßen im Jahr 2021 auf 319 Millionen Euro, die Kosten für Lärmbelastung auf knapp 80 Millionen Euro. Insgesamt werden die externen Kosten bis 2024 auf 613 Millionen Euro geschätzt. Bisher mangelt es im Straßengüterverkehr an Kostenwahrheit, denn die Unternehmen müssen diese externen Kosten, die sie beim Transport ihrer Güter verursachen, nicht vollständig bezahlen. Nur knapp die Hälfte dieser externen Kosten des Straßengüterverkehrs wird angelastet. Und: Wir können den Güterverkehr nur dann klimafreundlicher machen, wenn einerseits emissionsärmere Fahrzeuge eingesetzt werden und andererseits der Güterverkehr anteilig von der Straße auf die Schiene verlagert wird.

Natürlich kann man auch fragen: Müssen wir wirklich so viel auf Kosten endlicher Ressourcen produzieren? Könnten wir nicht lokaler produzieren? Güter haltbarer machen und länger nutzen? Sie weniger Modetrends unterwerfen? Aber das steht auf einem anderen Blatt.

Quellen:
https://kontext-institut.at/inhalte/guetertransport-strasse/
https://www.bmk.gv.at/dam/jcr:2a0bcf9b-e7b7-4aea-952e-5e716b7401bc/viz_2011_kap_7.pdf

Sonntag, 22. Dezember 2024

80er auf der A2 ist durch

Trocken und technisch: der wichtige Teil des Bescheides vom Umweltministeriums an die ASFINAG

 

Manche Brötchen bäckt man am besten ganz ruhig und unaufgeregt: Der 80er auf der A2 ist durch.

Was ist geschehen?

In den letzten Monaten wurden im Umweltministerium ohne viel Getöse Wege geschaffen, auf denen Gemeinden die unter erhöhter Lärm- und Schadstoffbelastung leiden um entsprechende Temporeduktionen ansuchen können.

Während Biedermannsdorf noch ziemlich verwordaggelt um eine Position rang (unvergessen ist die Aussendung die begann mit "Einen 140er auf der Autobahn könnten wir uns schon vorstellen. Aber nicht bei uns!") hat der Wiener Neudorfer Bürger meister Janschka den oben erwähnten Weg beschritten und schon Ende November darüber berichtet.

Heute haben wir erfahren, dass ein entsprechender Bescheid bereits vom Umweltministerium an die ASFINAG ergangen ist. Wie aus dem oben geposteten Ausschnitt ersichtlich, wird der Bereich zwischen Anfang des Industriezentrums und Höhe Laxenburg in beiden Richtungen mit 100km/h ausgeführt und dann bis Knoten Vösendorf mit 80km/h.
Das ist eine gute Nachricht auch für alle Biedermannsdorfer_innen die genau so unter der Lärm- und Feinstaubbelastung zu leiden hatten.

Wir gratulieren Ministerin Gewessler und Bürgermeister Janschka zu der astreinen Umsetzung. Ein schönes und überraschendes Geschenk, das Sie uns da unter den Christbaum gelegt haben.

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Seit dieser Artikel das erste mal online ging haben wir gesehen, dass der 80er auf A2 bereits aktiv ist . . . damit auch Applaus für die ASFINAG für die schnelle Erledigung. Und allen Biedermannsdorfern wünschen wir ein ruhigeres Fest ;)

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Als Anhang noch die Verordnung in Bild-Form oder das originale PDF:

 

Samstag, 21. Dezember 2024

Unser Schulsystem - stark verbesserungsfähig

Österreichs Schulsystem ist, sehr wohlwollend formuliert, extrem verbesserungsfähig. Wobei die Probleme schon sehr früh beginnen, beim Kindergarten oder der fehlenden aktiven Integration von Eltern mit Migrationshintergrund. Pro Schüler investiert Österreich mit 13.943 Euro fast 50 Prozent mehr als der EU- Durchschnitt, erzielt damit aber nur sehr mittelmäßige Ergebnisse, wie internationale Vergleich immer wieder zeigen.

Ein besonders drastisches Beispiel ist die Belastung der LehrerInnen im Bereich der Pflichtschulen und Oberstufen mit administrativen Aufgaben (Geld einsammeln, Listen führen, Termine managen usw.), die an ihnen hängen bleiben, statt dass sie in dieser Zeit mit den Kindern arbeiten können. Wie sehr da bei uns gespart wird zeigt der internationale Vergleich. In Österreich kommt eine administrative Arbeitskraft auf fast 15 LehrerInnen, im EU- Durchschnitt auf sieben und in den baltischen Staaten auf knapp über fünf.

Schlecht eingesetztes Steuergeld im Schulsystem verhindert, dass Kinder das in ihnen schlummernde Potential voll entfalten können. Es ist aber auch eine Gefahr für den sozialen gesellschaftlichen Zusammenhalt und die Zukunftschancen Österreichs im internationalen Wettbewerb. Wissenschaft, Bildungsexperten und nicht zuletzt LehrerInnen sind sich weitgehend einig, wie unser Schulsystem verbessert werden könnte. Aber: Alle Verbesserungsvorschläge zerschellen seit Jahrzehnten an Ideologie, Bürokratie und  Föderalismus.

Vor kurzem hat der Budgetdienst des Parlaments in einer kurzen Studie die Kosten all dieser Vorschläge abgeschätzt. Hier ein Großteil der Ergebnisse zusammengefasst:

  • SekretärInnen für alle Pflichtschulen: 112 Millionen Euro jährlich
  • Mehr pädagogisches Supportpersonal (Sozialarbeiter, Schulpsychologen usw.): 590 Millionen Euro pro Jahr
  • Die Angleichung der Gehälter von KindergärtnerInnen an jene von LehrerInnen und die Verkleinerung von Kindergartengruppen: Etwa 1050 Millionen Euro jährlich und 4 Milliarden einmalig.

Das schaut zunächst nach sehr viel Geld aus. Aber derzeit geben wir für den gesamten Bildungsbereich 25 Milliarden Euro im Jahr aus, etwa ein Zehntel der gesamten staatlichen Ausgaben. Und im Vergleich überschaubare, sinnvolle Investitionen ins Schulsystem könnten viele derzeitige Probleme lösen. Am Geld kann es nicht scheitern. Für das Gesundheitswesen gibt der Staat jährlich etwa 40 Milliarden aus. Eine Lichtung des Kompetenzdschungels allein in diesem Bereich könnte, bei wahrscheinlich sogar besserer Qualität, jährlich relativ leicht über 4 Milliarden Euro einsparen. Und für politische Werbung (Inserate) wurden allein im ersten Halbjahr 2024 1039 Millionen Euro ausgegeben, davon ein großer Teil an parteinahe Medien und Boulevardzeitungen.

Quelle: Wiener Zeitung

Freitag, 20. Dezember 2024

Link-Kisterl KW 51

 

Hier wieder unsere wöchentliche aktuelle Sammlung an Links, die uns in den letzten sieben Tagen untergekommen sind und nicht anderweitig verwurstet wurden. Nicht immer "Grün". Manchmal unterhaltsamer als informativ. Nur selten mit direktem Ortsbezug. Unsere einzige Regel: Maximal zwei Sätze Erklärung/Kontext pro Link. Das muss reichen.

Falls Kritik an oder Anmerkungen zu einem der Links haben, würden wir uns sehr freuen hier im Blog oder auf Social Media darüber zu diskutieren.

Lesen:

  • Den in New York lebenden Klimaökonom Gernot Wagner machen viele Trends auf der Welt in Bezug auf den Klimawandel optimistisch. Zum Interview im Falter.
  • Das Amt für Betrugsbekämpfung geht davon aus, dass Kriminelle jährlich 800 Millionen Euro mittels Scheinunternehmen am Fiskus vorbeischleusen, um das Bargeld dann als Schwarzlohn auszuzahlen oder die Gewinne gezielt zu schmälern. Welche einfache Maßnahmen Lohndumping und Abgabenhinterziehung zurückdrängen könnten, erklärt der Chef der Finanzpolizei in diesem leider gekürzten Beitrag im Profil.
  • Eine recht kühle und strukturierte Analyse wie soziale Netzwerke beschaffen sind, wie X/Twitter beschaffen ist, wie es sich von anderen sozialen Netzwerken unterscheidet und warum es jetzt wahrscheinlich unumkehrbar auf sein Ende zusteuert. Zum Beitrag.
  • Die schottische Abgeordnete Monica Lennon hat ein Gesetz ausgearbeitet, das CEOs für Umweltzerstörungen ihrer Unternehmen persönlich zur Rechenschaft ziehen, mit Gefängnisstrafen von bis zu 20 Jahren bedrohen und den Straftatbestand des Ökozids schaffen würde. Damit wäre Schottland das erste Land der EU mit einer derartigen Regelung. Zum (englischsprachigen) Beitrag der BBC.
  • Der Folksänger Lead Belly besang mit seinem Song "Scottsboro Boys" eine traurige und schändliche Geschichte aus dem amerikanischen Rassismus und schloss mit den Worten "Stay woke, keep your eyes open". Damit meinte er aus der damaligen Situation heraus vor allem die Wachsamkeit gegen die amerikanische Strafverfolgung, aber auch gegen Manipulation und Täuschung. Zum Blogbeitrag von Karl Wagner

Sehen:

  • Der für alle, die ihn damals kennenlernten, unvergessliche Hermes Phettberg in einem lustigen Interview mit Armin Thurnher in einer 14 Jahre alten „Nette Leit Show“.
  • Die Volksschullehrerin Ilkay Idiskut, bekannt aus dem Film „Favoriten“, im ORF- Interview zu den Mängeln unseres öffentlichen (Volks-)Schulsystems.

Belohnung für hinterher:

  • Charles Mingus war bekannt für seinen köstlich-gefährlichen Eggnog. Und als Jazz Bassist. Zum Beitrag.