Sonntag, 3. August 2025

Erziehung zur Bestialität

 

Ende der dreißiger Jahre machten Menschen, die sich das zehn Jahre zuvor nicht hätten vorstellen können, eifrig bei der Vernichtung der Juden mit. In den neunziger Jahren beteiligten sich Menschen auf dem Balkan, die sich das zehn Jahre zuvor nicht hätten vorstellen können, an der systematischen Ermordung ihrer Nachbarn. Wie konnte das geschehen? Wie konnten so viele Menschen umgepolt und umerzogen werden? Und vor allem: Kann so eine Entmenschlichung heute noch passieren? Oder noch direkter gefragt: Kann man Trump, Kickl, Weidel und Co. vorwerfen, an sich anständige Leute zur Bestialität umzuerziehen?

Rechtspopulistische Agitation zielt nicht nur auf Meinungen, sondern verändert auch die emotionalen und impulsiven Dispositionen von Menschen. Sie kann aggressive, destruktive und sogar mörderische Impulse in Menschen verstärken, indem sie nicht nur bestehende Ressentiments und Vorurteile anspricht, sondern kollektive Emotionen wie Wut, Angst, Hass und Empörung bewusst schürt und eskaliert.  Ein konstantes oder sich steigerndes Bombardement mit Schreckensnachrichten versetzt die Empfänger in einen Zustand permanenter Erregung. So wird bei Menschen, die ursprünglich vielleicht weniger empfänglich für rohe Impulse waren, durch anhaltende Empörung, Angstkommunikation und die Konstruktion von Feindbildern zunehmend das Aggressionspotenzial und auch die Entsolidarisierung in der Gesellschaft gesteigert. 

Zentrale Mechanismen rechtspopulistischer Agitation sind: 

  • Die moralische Rechtfertigung aggressiven und destruktiven Handelns, etwa im Namen eines vermeintlich bedrohten „Volkskörpers“ oder anderer kollektiver Werte 
  • Die Konstruktion und Entmenschlichung von „Feindgruppen“ (z.B. Migranten, politische Gegner), wodurch Gewalt gegen diese Gruppen gerechtfertigt und erleichtert wird 
  • Das beständige Schaffen von Bedrohungsszenarien und vermeintlichen existenziellen Krisen, was die emotionale Bereitschaft zur Gewalt stärkt 
  • Das massenhafte Ansprechen unbewusster antisozialer Impulse, wie Rache- und Vergeltungsgelüste, sodass Individuen aggressiver, impulsiver und destruktiver handeln als zuvor 
  • Die gezielte Nutzung emotionsgeladener und polarisierender Sprache in sozialen Medien und traditionellen Medien, welche Eskalationsspiralen befeuern 

Während der Psychoanalytiker versucht, Neurosen, psychotische Störungen und die Spuren von Traumata im Individuum zu heilen, betreibt die populistische Agitation das Gegenteil: Sie schürt Wut und Verbitterung und will ihre Anhänger in vollends paranoide Charaktere verwandeln. Leo Löwenthal, eine der Zentralfiguren der später als „Frankfurter Schule“ bekannten Gelehrtengruppe, sagte: „Man macht die Menschen neurotisch und psychotisch und schließlich völlig abhängig von ihren sogenannten Führern“ und verstärkt ihre „mörderischen, aggressiven und destruktiven Impulse“.

Quellen und weitere Informationen:
https://misik.at/2025/07/rechtsextremismus-als-massenhysterie/
https://weltexpresso.de/index.php/zeitgesehen/33454-destruktive-sozialpsychologische-mechanismen
https://www.diakonie.de/diakonie_de/user_upload/diakonie.de/PDFs/Publikationen/2024_Handreichung_Rechtspopulismus_A5_3._Auflage.pdf
https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/212353/volkes-stimme/
https://phaidra.univie.ac.at/open/o:1332431
https://www.doew.at/cms/download/c1g6t/DOEW_rex-barometer-2024.pdf
https://www.boell.de/sites/default/files/2024-11/leipziger-autoritarismus-studie-2024-vereint-im-ressentiment-autoritaere-dynamiken-und-rechtsextreme-einstellungen.pdf
https://www.otto-brenner-stiftung.de/fileadmin/user_data/stiftung/02_Wissenschaftsportal/03_Publikationen/AP70_Falsche_Propheten.pdf 

Freitag, 1. August 2025

Sicher vor Waffen!

 
Zum Stichtag 1. Juli 2025 gab es in Österreich exakt 1.523.377 legal erworbene und registrierte Schusswaffen und 375.435 registrierte Waffenbesitzer. Die Zahl der neu ausgestellten Waffenbesitzkarten ist in letzter Zeit stark angestiegen. So gab es Ende Juni 2025 fast 50 % mehr neue Waffenbesitzer als im Mai. Insbesondere bei Faustfeuerwaffen wurde ein Plus von rund 43 % verzeichnet. Zusätzlich gibt es in Österreich eine erhebliche Zahl illegaler Waffen, die alle ein ernstes Sicherheitsrisiko darstellen, etwa in emotionalen Ausnahmesituationen.

Nach dem mörderischen Schussattentat an einer Grazer Schule diskutiert die Regierung eine Verschärfung des Waffengesetzes. Vertreter der Opposition werfen der Regierung vor, es fehle der politische Mut zu einer wirklich umfassenden Verschärfung des Waffenrechts. Besonders die Grünen, aber auch die KPÖ und die SPÖ kritisieren das Maßnahmenpaket der Bundesregierung als zu oberflächlich und zu wenig ambitioniert. Es handle sich überwiegend um „kosmetische Korrekturen“, die nur an einzelnen Stellschrauben drehen würden, ohne das Grundproblem der hohen Verfügbarkeit privater Waffen wirklich zu adressieren. Nicht nur Fachleute merken an, dass der reine Fokus auf legale Waffen zu kurz greifen könnte, da ein erheblicher Anteil schwerer Straftaten weiterhin mit illegalen Schusswaffen begangen wird.

Die Grünen haben daher am 10. Juli 2025 im Nationalrat einen dringlichen Antrag zur umfassenden Verschärfung des Waffengesetzes eingebracht, in dem sie unter anderem die anonyme und straffreie Rückgabe illegaler Waffen fordern. Zudem fordern sie eine grundlegende Wende im österreichischen Waffenrecht, durch die Waffenbesitz zur Ausnahme wird. Der Antrag wurde zwar im Nationalrat behandelt, aber nicht angenommen.

Der Vorschlag der Grünen sieht im Rahmen eines Amnestieprogramms vor, dass nicht gemeldete Schusswaffen straffrei bei Waffenbehörden, der Polizei oder lizenzierten Waffenhändlern abgegeben werden können. Dafür sollen finanzielle Anreize bereitgestellt werden, vorzugsweise in Form von Gutscheinen statt Bargeld. Das Rückgabeprogramm für illegale Waffen soll über mehrere Monate laufen und wiederholt werden, um Vertrauen aufzubauen.

Ähnliche Programme in anderen Ländern dienen dabei als Vorbild. So wurden beispielsweise in Serbien im Jahr 2023 etwa 100.000 illegale Waffen eingesammelt und in Neuseeland innerhalb von sechs Monaten 56.000. Auch in Deutschland und Frankreich wurden in den vergangenen Jahren durch Amnestieprogramme Zehntausende Waffen aus dem Verkehr gezogen. Nach einem Massaker im Jahr 1996 wurden in Australien im Zuge einer Verschärfung der Waffengesetze 650.000 Schusswaffen zurückgekauft. Dadurch ging laut einer Studie die Zahl der Tötungsdelikte und Suizide mit Schusswaffen deutlich zurück.

Eine statistische Auswertung von ForscherInnen der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie sowie des Zentrums für Medizinische Statistik der Medizinischen Universität Wien zeigt allgemein, dass strengere Waffengesetze mit einer Senkung der Mord- und Suizidraten durch Schusswaffen einhergehen.
 

Link-Kisterl KW 29-31

 

Urlaubsbedingt ist das Linkkisterl jetzt zwei mal ausgefallen. Daher gibts diesmal etwas mehr Inhalte, aus denen Sie sich rauspicken können, was Sie interessiert.

Lesen:

  • Ingrid Brodnig ist Journalistin, Buchautorin, Vortragende, Expertin für Social Media, Falschinformation, Hate Speech und Extremismus im Internet. In diesem Newsletter ging es um praktische Tipps, wie man gängige verharmlosende Argumente rund um die Klimakrise kontert. 
  • Millionen für Heute, oe24 & Co. und Krawallplattformen? Weniger Regierungsinserate, dafür mehr Förderungen, die an Qualitätskriterien gebunden sind, würde das leicht ändern, wenn die Politik das nur wollte.
  • Warum wir gerade dabei sind, den Kampf gegen Krebs zu gewinnen, lesen Sie in diesem NewsFlix- Beitrag: 
  • In jenen Bundesländern, in denen die FPÖ Teil der Landesregierung ist, wird gekürzt. Betroffen sind genau jene Bereiche, die für faire Bildungschancen, Betreuung und Unterstützung von Kindern und Jugendlichen entscheidend sind, die Kürzungen treffen besonders junge Menschen aus armutsgefährdeten Familien oder mit Migrationsgeschichte.  
  • Trump und die Neofaschisten aller Länder wollen die Menschen verrohen und ihnen die Empathie austreiben, was erschreckend gut funktioniert. Zum Artikel von Robert Misik. 
  • Warum Aufrüstung die Wirtschaft in der EU nicht wirklich voranbringt 
  • In Stavanger, Norwegen, fährt seit dem Jahr 2022 erstmals in Europa ein autonomer Bus mit Platz für 50 Fahrgäste im herkömmlichen Linienbetrieb durch das Stadtzentrum und auch durch einen Tunnel. Zu Chancen und Risiken autonomatisierter Mobilität lesen Sie in diesem VCÖ-Beitrag. 
  • Diese Entscheidung könnte die Wahllämpfe in Zukunft durchaus verändern. 
  • KI-Sprachmodelle wirken klüger, als sie tatsächlich sind, sie verstehen nicht, was sie tun, aber sie tun so, als würden sie verstehen. Selbst große KI-Modelle, die mit milliardenfachen Textdaten trainiert wurden, entwickeln kein tieferes Weltverständnis, sondern sind nur exzellente Mustererkenner, aber keine Theoretiker. 
  • Unter einflussreichen Menschen macht sich zunehmend die Ideologie des Longtermismus breit, die eine extrem ferne Zukunft für moralisch wichtiger hält als die Probleme heutiger Menschen. Der Historiker und Philosoph Émile Torres hat sich mit dem Phänomen beschäftigt.  
  • Warum Arbeit fast immer so viel Zeit in Anspruch nimmt, wie man zur Verfügung hat, wird durch Parkinsons berühmtes Gesetz erklärt, das von Soziologen heute noch gern zitiert wird. Ursprünglich als Satire gemeint, trifft es einen wahren Kern und erklärt, warum Verwaltungen anschwellen, auch wenn es gar nicht mehr zu verwalten gibt. 
  • Wenige Tage nach der intensiven, rekordverdächtigen Hitzewelle, die weite Teile Europas überschwemmte, veröffentlichte eine Gruppe von Wissenschaftlern eine Schnellanalyse, in der sie abschätzt, inwieweit der Klimawandel die Zahl der Todesopfer durch die Hitzewelle erhöht haben könnte. Sie ergab, dass der Klimawandel die Zahl der Todesopfer des Ereignisses verdreifacht haben könnte. 
  • In Norwegen gibt es ein makaberes Problem mit Plastik. Mit in Plastik eingewickelten Leichen, um genau zu sein. 
  • Menschliche Gehirne, Plazentas und der Atem von Delfinen haben gemeinsam, dass sie Anzeichen von Plastikverschmutzung in Form von winzigen Partikeln, dem so genannten Mikroplastik enthalten. Eine am Mittwoch in der Fachzeitschrift Nature veröffentlichte Studie schätzt die Menge an Nanoplastik, das noch kleiner als Mikroplastik und für das bloße Auge unsichtbar ist, auf mindestens 27 Millionen Tonnen in den nordatlantischen Meeren - mehr als das Gewicht aller wild lebenden Landsäugetiere 

Anhören:

  • Bei Florian Klenks Besuch im Bezirksgericht Wien-Meidling geht es um gestohlenes Parfüm, um drei Gramm Kokain, um einen Parkausweis auf dem Armaturenbrett – und immer wieder um die Frage: Was ist Gerechtigkeit? 
  • In diesem Podcast behandeln Wolfgang Maderthaner und Peter Lachnit am Beispiel von Deutschland und Österreich vor dem Zweiten Weltkrieg, wie leicht kann man die Demokratie abschaffen kann. Dabei muss man unweigerlich an die Umbrüche im heutigen Amerika unter Donald Trump denken. 
  • Wieso Männer die Verkehrswende blockieren, bespricht die Leiterin des FALTER-Naturressorts Katharina Kropshofer mit dem Wirtschaftswissenschafter Boris von Heesen, der sich auch mit toxischer Männlichkeit beschäftigt, in diesem Podcast. 
  • Friedrich Küppersbusch ordnet im Übermedien Podcast das Aus von Colberts Late Night Show ein. Ein Gespräch über Medien, Politik und deren Verflechtungen und Spannungen hüben wie drüben. 
  • Elefanten kommunizieren nicht nur mit Gesten und Lauten, sondern auch mit kontrollierten chemischen Signalen, Infraschall und seismischen Wellen, und sie sprechen einander individuell mit Namen an. Die Verhaltensbiologin Vesta Eleuteri gibt uns in diesem Podcast Einblicke in die Gefühls- und Lebenswelt von Elefanten. 
  • Um gute Entscheidungen zu treffen, reicht es nicht, viel zu wissen, man muss ja auch wissen, wofür man das verwenden will. In diesem Podcast geht es um Bedürfnisse und wie daraus die Ziele werden, die wir ansteuern. 

Anschauen:

  • Wie sehen die wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen aus, die es Deutschland und Europa ermöglichen, klima- und umweltschonend zu wirtschaften und den Menschen eine lebenswerte Zukunft innerhalb der planetaren Grenzen zu ermöglichen. Darüber diskutieren Robert Habeck, versierter Politikexperte und Autor des Buchs „Den Bach rauf“, und Reinhard Schneider, Unternehmer und Autor des Buchs „Die Ablenkungsfalle“ 
  • Über den Abbau von Bankfilialen, die Erhöhung der Bankgebühren und Bankgewinne hören Sie in diesem kurzen Video 

Donnerstag, 31. Juli 2025

Unser Blick auf die Welt, Teil 1: Der Einfluss von Erzählungen

Zu verkaufen: Babyschuhe, ungebraucht!

Diese vier Wörter erzeugen in uns sofort Emotionen und eine Geschichte, die für uns Sinn ergibt. Vielleicht ist es die Geschichte einer Familie, die sich auf ein Kind freute und bereits eine Erstausstattung gekauft hatte, doch dann kam dieses Kind durch einen Schicksalsschlag nicht auf die Welt.


Oder: Menschen gehen mit verschiedenen Blicken durch den Wald. Da gibt es den Festmeterblick des Försters, der gleich abschätzt, wie viel Holz das bringt. Aber auch den Blick der Jäger oder der Pilzesammler, die auf irgendetwas aus sind. 

Unser Gehirn versucht unbewusst ständig, alle Informationen, die auf uns einströmen, daraufhin zu untersuchen, ob sie unseren Erwartungen entsprechen oder sich möglichst widerstandsfrei in unser Weltbild einfügen. Passen die Informationen zu unseren bisherigen Erfahrungen und fügen sich nahtlos in unser Weltbild ein, erzeugen sie keine unangenehmen Gefühle und festigen  unser Weltbild. Passen die Informationen jedoch nicht zu unseren Erwartungen, sind wir enttäuscht oder unzufrieden. Manchmal reagiert unser Gehirn sogar wie ein bockiges Pferd und weigert sich, eine von unserer Vorstellung abweichende Information als Teil der Realität aufzunehmen. Aber diese Geschichten sind Erzählungen der Wirklichkeit, nicht die Wirklichkeit selbst. Trotzdem beeinflussen sie unsere Meinungen und Entscheidungen bis hin zur Wirtschafts- und Klimapolitik.

Die Erzählung, dass jeder den sozialen Aufstieg schaffen kann, wenn er nur hart genug dafür arbeitet, ist attraktiv, denn sie scheint gerecht zu sein. Aus der Soziologie und der Volkswirtschaft wissen wir jedoch, dass es sich dabei um ein Märchen handelt. Doch die Hoffnung auf den sozialen Aufstieg hält die Produktivität der Menschen aufrecht und ist somit für das Funktionieren des kapitalistischen Systems essenziell. Diese Erzählung behauptet, Menschen seien selbst schuld, wenn sie am unteren Ende der sozialen Hierarchie stehen. Und es erlaubt dann eher, Sozialleistungen zu reduzieren.

Wir reagieren gut auf Geschichten, die uns das Gefühl geben, dass es in Ordnung ist, wie wir sind und was wir haben. Wenn es um den Klimawandel geht, vermittelt uns die Erzählung „Wir dürfen den Wohlstand nicht gefährden” den Eindruck, dass ein Feind um die Ecke kommt, der uns das wegnehmen will, was wir uns hart erarbeitet haben. Und das im Austausch gegen das kaum greifbare Ziel der Nicht-Verschlimmerung der Welt. Konservative arbeiten mit der Angst machenden Erzählung, es drohe eine miserable Existenz ohne Komfort und Luxus, wodurch unser Jetzt plötzlich wahnsinnig attraktiv wirkt. Und reaktionäre Politik führt auch immer gern die Grünen als die Verbotsmenschen ins Feld, weil genau das im Kulturkampf triggert.

Dabei lässt sich für jede politische Ausrichtung eine Erzählung für den Kampf gegen die Klimakrise finden, auf die Menschen nicht mit Widerstand reagieren. Für Konservative, die wollen, dass alles so bleibt, wie es ist, ist es ein Kampf, um die Natur zu bewahren. Für Sozialdemokraten ist es ein Kampf für Gerechtigkeit, denn von der Klimakrise sind besonders verletzliche Gruppen betroffen. Und für Liberale ist es ein Kampf für die Freiheit: Menschen sollen sich auch in Zukunft noch selbst entfalten können, statt in bürgerkriegsähnlichen Zuständen um Ressourcen zu kämpfen.

Die Publizistin Samira El Ouassil, die den Bestseller „Erzählende Affen“ gemeinsam mit dem Journalisten Friedemann Karig 2022 veröffentlicht hat, erklärt darin, was in der Klimakommunikation falsch läuft. Ein Interview mit ihr gibt es hier. 

Weitere Buchempfehlungen zum Thema:
Politisches Framing: Wie eine Nation sich ihr Denken einredet 
Der Mönch und der Philosoph
Schnelles Denken, langsames Denken
Der springende Punkt

Dienstag, 29. Juli 2025

Problem Strompreis.

Seit der Energiekrise in den Jahren 2022/2023 müssen Haushalte in Österreich massiv überhöhte Strom- und Gaspreise zahlen. Die Energiekonzerne verzeichnen hingegen Rekordgewinne. Ende Juni forderte die von der Bundeswettbewerbsbehörde und E-Control eingesetzte Task Force Energie „mehr Wettbewerb“ im Strommarkt. Dies fordert nun auch die Politik, um die Strompreise zu senken.

Aber wären gemeinnützige Energieversorger nicht die bessere Alternative zu profitorientierten Aktiengesellschaften?
Verstecken sich öffentliche Energiekonzerne nicht viel zu oft hinter dem Aktienrecht oder EU-Vorgaben, um sich so ihrer gesellschaftlichen Verantwortung zu entziehen? Hört das Thema „Wettbewerb“ nicht ohnehin im Bereich der Netzbetreiber komplett auf, weil diese in ihrem jeweiligen Versorgungsbereich praktisch ein Monopol haben? Braucht es nicht eine strukturelle Lösung? Sollten Energieversorger gesetzlich zu gemeinnützigen Zielen verpflichtet werden, ähnlich wie es im Wohnungsgemeinnützigkeitsgesetz der Fall ist, das Gewinne beschränkt und deren Verwendung reguliert? Und sollte das völlig intransparente Geflecht der Energiekonzerne durch kreuzweise Beteiligungen und gegenseitige Kontrollen nicht endlich entflochten werden?

Zwar besagt § 86 AktG, dass ein Vorstandsmitglied einer Gesellschaft nicht gleichzeitig im Aufsichtsrat einer anderen Gesellschaft sitzen kann, in deren Vorstand wiederum ein Mitglied des ersten Unternehmens sitzt. Solche Verflechtungen sind jedoch erlaubt, wenn Gesellschaften innerhalb eines Konzerns miteinander verbunden oder aneinander beteiligt sind. Und genau das ist der Fall. Denn Österreichs große Energieversorger sind mehrheitlich im staatlichen Besitz. Laut WIFO ist der Wettbewerb zwischen diesen Unternehmen durch „viele gegenseitige Beteiligungen und Verflechtungen“ sowie durch die Doppelfunktion des Staates als Eigentümer und Regulator eingeschränkt, was zu Interessenkonflikten führt.

Weitere Infos:
https://www.profil.at/meinung/die-falschen-schluesse-aus-der-energiekrise/403060581
https://www.parlament.gv.at/dokument/XXVII/J/18766/fnameorig_1633180.html
https://www.pwc.at/de/publikationen/aufsichtsrat/die-innere-ordnung-des-aufsichtsrates.pdf
https://www.pwc.at/de/publikationen/aufsichtsrat/der-aufsichtsrat-im-konzern.pdf 

Donnerstag, 24. Juli 2025

Kaninchenpest in Niederösterreich?

In Österreich können im Raum Wien und Niederösterreich Wild- und Hauskaninchen von der Kaninchenpest (Myxomatose) betroffen sein. Die Krankheit endet meist mit dem Tod der erkrankten Tiere. 

Das Virus ist für den Menschen ungefährlich. Genaue Angaben über die geographische Ausbreitung von Myxomatose in Österreich können nicht gemacht werden, da die Krankheit nicht meldepflichtig ist. Auch Feldhasen können an Myxomatose erkranken, die Krankheitssymptome waren aber bisher bei ihnen schwächer ausgebildet. Nun ist das Virus mutiert und bedroht auch wild lebenden Hasen tödlich.

Tote Wildtiere, wie Kaninchen oder Feldhasen, sollten nicht selbst entfernt oder entsorgt, sondern bei der NÖ Tierschutz-Hotline unter der Nummer 0800 000 134 gemeldet werden, die dann weitere Schritte einleitet. Die Meldung ist für eine fachgerechte Entsorgen für Seuchenhygiene und Monitoring wichtig.

Als Haustiere gehaltene Kaninchen können durch eine Impfung geschützt werden.

Weitere Informationen:
https://www.ages.at/mensch/krankheit/krankheitserreger-von-a-bis-z/kaninchenseuche-kaninchenpest
https://wien.orf.at/stories/3314466/
https://www.krone.at/3848649 

Freitag, 11. Juli 2025

Link-Kisterl KW 28

Lesen:

  • Was in Österreich unter einem FPÖ-Bundeskanzler gedroht hätte, lässt sich in der benachbarten Slowakei beobachten, wo der Populist Robert Fico brutal gegen den freien Journalismus vorgeht. Zu einem Beitrag im Falter. 
  • Die Prognose des Wienerneudorfer Bürgermeisters Janschka: Der 80er auf der A2 bleibt. 
  • Cyberbetrug ist der am schnellsten wachsende Zweig der organisierten Kriminalität, der Schaden nimmt immer höhere Ausmaße an, und allein in Europa erbeuten Internet-Kriminelle hunderte Milliarden Euro jährlich. Zu einem Beitrag des Falter. 
  • Norwegen hat es binnen weniger Jahre geschafft, von Verbrenner- auf E-Autos umzusteigen. Die Lehre daraus ist nicht, dass die politischen Mühlen in Oslo besser mahlen als in Brüssel oder Wien, sondern dass eine entschlossene Politik mit klaren Zielen und entschlossener Umsetzung in kurzer Zeit einen sehr großen Unterschied machen kann. 
  • Eine neue Studie zur Förderung von Grünräumen in Städten analysierte die Bereitschaft der Menschen,  für neues Grün auf unmittelbar erreichbare Parkplätze zu verzichten und über höhere Abgaben allfällige Mehrkosten mitzutragen. 
  • Seit Jahrtausenden träumt die Menschheit von der schnellen Fortbewegung – und entwickelte dabei sowohl geniale als auch bizarre Ideen. Die kühnsten Mobilitäts-Utopien und was daraus wurde, finden Sie hier:

Hören:

  • Extremwetterereignisse kosten den Staat bereits heute Milliarden. Die Intensität von Starkregen, Hagel und Dürren nimmt zu, vor allem in Österreich. Wie viel Österreich die Klimakrise jetzt schon kostet, hören Sie hier.
  • Daten, Informationen, Wissen, entscheidendes Wissen... was sind da die entscheidenden Unterschiede? Zum Podcast von Michel Reimon.
  • Über die sicherheitspolitische Lage – auch in Europa - und die Wichtigkeit der Neutralität für unsere Sicherheit: Darüber diskutieren Ursula Plassnik (ÖVP), Georg Häsler (NZZ), Alexander Dubowy (Osteuropa-Experte) und Heinz Gärtner (Politikwissenschaftler) im Österreichischen Friedensforum auf der Burg Schlaining. 

Anschauen:

  • Wie sehr der österreichische Medienmarkt nur von wenigen Playern abhängig ist und gesteuert wird, sehen Sie anschaulich in diesem Video. 

Belohnung für hinterher: